Die Gesellschaft Christi für Emigrantenseelsorge (lat. Societas Christi pro Emigrantibus Polonis; eng. Society of Christ Fathers), bekannt als: Chrystusowcy (SChr, TChr) ist eine Kongregation päpstlichen Rechts, deren Mitglieder Priester und Ordensbrüder mit einfachen Gelübden sind (ihre Mitglieder legen zeitliche Gelübde, und dann ewige Gelübde:  Keuschheit, Armut und Gehorsam ab).

Die Gesellschaft wurde am 8. 9. 1932 von Kardinal A. Hlond, Polens Primas, unter großer Mitarbeit vom Pater Ignacy Posadzy (Gründer der Christus-König-Missionsschwestern) in Potulice bei Nakło ins Leben gerufen. Kard. A. Hlond  hat auch die Verfassung der Gesellschaft vorbereitet. Die Gesellschaft hat ein eigenes Priesterseminar und Häuser in Gniezno (1933), Poznań, Puszczyków (1935) und Dolsk (1937) sowie ein Verlagshaus mit Druckbetrieben in Potulice eröffnet. Bereits 1933 wurde begonnen, die der Seelsorge für im Ausland lebende Polen gewidmete Zweitmonatsschrift unter dem Titel „Głos Seminarium Zagranicznego” [Stimme des Auslandsseminars], seit 1936 eine bibel- und liturgiebezogene  Monatszeitschrift  „Msza Święta” [Heilige Messe], und dann eine hagiografische Quartalschrift u. d. T.  „Cześć Świętych Polskich” [Polnische Heilige] herauszugeben. Die ersten Ordensbrüder der Gesellschaft Christi reisten zur Seelsorgearbeit unter Auslandspolen 1937 nach Paris und London, und 1938 nach Estland. Die Mitgliederzahl der Gesellschaft ist 1939 von 40 auf 184 gestiegen.

Während des 2. Weltkriegs haben die Mitglieder der Gesellschaft Christi offiziell in Bydgoszcz und im Generalgouvernement gearbeitet,  konspirativ haben sie in der Region Pyzdry und Ostrowiec Wielkopolski sowie auf dem Gebiet Deutschlands als Mitarbeiter unter den Leuten gedient, die zu Zwangsarbeiten abtransportiert wurden. Mit Genehmigung der Besatzungsbehörden waren sie auch Seelsorger in Übergangslagern. In dieser Zeit kamen 26 Mitglieder der Gesellschaft ums Leben und nach einem  geheimen Theologiestudium in Krakau wurden 43 neue Priester geweiht. Nach dem Ausbruch des 2. Weltkriegs wurden das Haupthaus in Poznań und das Mutterhaus in Potulice durch Deutsche beschlagnahmt und die Gesellschaft verlor ihr ganzes Vermögen.

Nach dem Krieg wurden lediglich das zerstörte Haus in Ostrowo Tumskie in Poznań und das Haus in Puszczykowo wiedergewonnen. Seit dieser Zeit wurde das Haupthaus in Poznan zum Zentrum der Gesellschaft. Die aus der kriegsbedingten Zerstreuung zurückkehrenden Ordensbrüder der Gesellschaft Christi haben sich als erste in die Seelsorgearbeit in Westpommern engagiert. Priester Florian Berlik TChr [Gesellschaft Christi] hat am 6. Mai 1945 die erste Heilige Messe in Nachkriegsstettin  gehalten.  Ferner haben sie mit ihrer Seelsorgetätigkeit die Gebiete von Pyrzyce nach Kamień Pomorski und Trzebiatów umfasst. Obwohl viele Pfarrgemeinden der Diözese überreicht wurden, betreuen die Mitglieder der Gesellschaft Christi bis heute 18 Standorte im Erzbistum Stettin und sie arbeiten auch im Erzbistum Gdańsk, Erzbistum Wrocław und Erzbistum Koszalin.

 

Die Ausreise zum Zwecke der Seelsorgearbeit für Auslandspolen war nach dem Krieg sehr erschwert. Es gab manchmal große Schwierigkeiten, einen Pass zu bekommen, aber die Mitglieder der Gesellschaft Christi haben trotzdem den Seelsorgedienst im Ausland aufgenommen.  Um einen ständigen Priesternachwuchs sicherzustellen,  wurde bereits 1945 in Poznań eine Börse für Gymnasialschüler eröffnet, die nach einem Jahr in ein Priestervorseminar umgewandelt wurde. Es existierte mit einer Unterbrechung bis 1962. Es wurde wiederum auf die Idee zurückgegriffen, ein eigenes Priesterseminar zu errichten. Das Philosophiestudium entstand 1948 in Ziębice, und zwei Jahre später wurde ein Theologiestudium in Poznań eröffnet.

1948, genau am 22.Okrober ist  in Warschau Gründer der Gesellschaft Christi, Kardinal und Primas von Polen, August Hlond gestorben. 1964 hat die Gesellschaft die Genehmigung des Apostolischen Stuhls erhalten, weitere Jahre brachten eine schnelle strukturelle Entwicklung und in den darauf kommenden Jahren entstanden neue zahlreiche Standorte.  Nach der Tauwetter-Periode 1957, als es einfacher wurde, einen Pass zu bekommen, hat die Gesellschaft eine groß angelegte Auslandsmission aufgenommen.  Die Patres und Ordensbrüder verreisten in neue Länder, zu anderen Kontinenten, um dort Pastoralarbeit aufzunehmen.  1976 besaß die Gesellschaft bereits 124 Ordenshäuser und Seelsorgezentren, übte Pfarrpastoral in 34 Standorten in Westpommern und Niederschlesien sowie in 84 Standorten im Ausland aus und zählte schon 373 Mitglieder (darunter 217 Patres). Unter Gerichtsbarkeit des Generalvorstands in Poznań fielen 6 ausländische Provinzen: die amerikanische - mit Sitz in Sterling Heights (Michigan), die brasilianische  – mit Sitz in Kurytyba, die australische  – mit Sitz in Sydney, die englische –  mit Sitz in London, die französische – mit Sitz in Hesdingneul-les-Bethune (zur Zeit in Aulnay-sous-Bois) und die deutsche – mit Sitz in Essen.

Zur Zeit (Stand auf  2 April 2011) zählt die Gesellschaft 458 Mitglieder, darunter 393 Priester, 20 Ordensbrüder, 37 Priesterseminaristen und 8 Novizen und realisiert ihre Mission in 6 ausländischen Provinzen und in einem Polen umfassenden Teil sowie in der sog. Vertretung im Osten; insgesamt sind es 20 Länder (Polen, Brasilien, die USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, Spanien, Deutschland, Niederlande, Italien, Ungarn, Großbritannien, Südafrika,  Nordirland, Island, die Ukraine, Weißrussland, Kasachstan und Rumänien).

Das Haupthaus der Gesellschaft sowie die Generalkurie befinden sich in Poznań. Im Haupthaus hat das Priesterseminar der Gesellschaft Christi ihren Sitz, wo Kleriker aus Polen, aber auch aus Ländern, in welche Polen auswandern (die USA, Brasilien, Deutschland, die Ukraine und Weißrussland), ausgebildet werden. Priesteramtkandidaten treten zunächst ihrem einjährigen Noviziat in Mórkowo bei Leszno an und werden über die nächsten 6 Jahre im Priesterseminar ausgebildet. Die Ordensbrüder-Kandidaten treten nach dem Postulat und Noviziat einem ein paar Jahre dauernden Juniorat an.  Die intellektuelle Formung der Mitglieder der Gesellschaft umfasst neben den philosophisch-theologischen Studien auch  Probleme im Bereich der Seelsorge für Emigranten und Fremdsprachenlernen.   Die Priester-Jan-Jabłoński-Seminarbibliothek der Gesellschaft Christi in Poznań sammelt Material zur Geschichte der polnischen Emigration (insbesondere Emigrationspresse, u.a. eine wertvolle Sammlung der Presse von Jan Kowalik).

oprac. ks. dr Marek Grygiel TChr


16 lipca 2015r. 1 322 Drukuj

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